sich öffnen können und sich nicht darum kümmern was andere denken

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  • Hey alle zusammen,


    ich bin neu in diesem Forum und würde mir einfach gerne ein paar Dinge von der Seele reden und anonym mit anderen teilen und vielleicht auch ein paar Gedanken dazu anhören.


    Ich habe zwar eine relativ gesunde Menge an Kontakten und Freunden, jedoch habe ich bei keinem das Gefühl mich so richtig öffnen zu können, bzw. habe auch Angst davor dadurch gewisse Balancen durcheinander zu bringen, weswegen ich es nun im Internet versuche, weil ich bis zu einem gewissen Grad zumindest episodenweise ziemlich verzweifelt bin mit meiner Situation und das sich nicht öffnen können zum Teil selbst ein eines meiner Probleme ist.
    Für ein wenig Kontext erzähle ich einfach ein wenig über die letzten Jahre in meinem Leben und wie ich sie empfunden habe. Vielen Dank an jeden der sich die Zeit nimmt es sich durchzulesen.




    Ich wurde geboren ohne einen Schrei von mir zu geben. Ich war ein sehr ruhiges Kind und spielte am liebsten für mich alleine, wo ich meine ganze Fantasie ausspielen und mich größtenteils stundenlang selbst beschäftigen konnte, zu Gunsten meiner Elterns nerven. Ich lebte quasi oft in meiner eigenen Welt.


    In der Schule war ich dann relativ normal, habe schnell Freunde gefunden, mit denen ich mich auch immer verabredete, alles normal. Später in der Mittelstufe, wurde ich zu Anfang ein wenig gemobbt, doch konnte mich im laufe der 6 Jahre behaupten und auch die Oberstufe war eine tolle Zeit mit neuen Freunden etc.
    Jedoch kam ich im laufe der Zeit immer wieder in Situationen in denen ich mich überfordert/hilflos/dumm/deplatziert fühlte, was ja auch noch normal ist. Jedoch lösten solche Situationen, welche ich nie kommen sah, jedes mal ein Stimmungstief bei mir hervor, welches Tage und Wochen anhalten konnte und mich jedes mal davor fürchten ließ wieder durch ein unvorhersehbares Ereignis/Situation in ein solches Tief zu fallen. Wo wir bereits an dem Punkt angelangt wären, den ich noch niemandem bisher erzählt habe.


    Ich habe regelrecht Angst bekommen wenn es zu gut lief. Die Gedanken waren oft sowas wie: "Wenn du jetzt irgendetwas falsch machst fällst du wieder in ein Tief", oder "Hoffentlich falle ich nicht in ein Tief gerade kurz bevor ich da dieses Ding habe", was jetzt bei letzterem immer noch der Fall ist und bei ersterem zumindest unterbewusst auch noch. Letztendlich führte dieses rauf und runter dazu, dass ich mir über dauer nicht wirklich etwas aufbauen konnte, weil ich jedesmal neue Ansätze suchte aus einem Tief heraus zu kommen, mich neu zu motivieren. Ich probierte jegliche Art von "Denken" aus um glücklich zu sein. Muss man vielleicht denken wie Mario Barth in 1 1/2 Ritter, und über alles Witze machen, wie der Schulfreund alles locker sehn, wie Leonardo di Caprio in Inception das Leben eher episch sehen, oder doch wie John Belushi in Blues Brothers total abgefuckt und lässig, oder wie zuletzt, wie Abed aus Community zielstrebig, fokussiert und eigen sein. Eine Lebensphilosophie jagte quasi die nächste und etwas was ich erst gut fand, war dann plötzlich in Frage gestellt.



    Hier mach ich mal einen kleinen Sprung und erzähle von meiner Zeit im Ausland.


    Ein bekannter aus der Schule war in Neuseeland gewesen und hatte mir auf einer Feier davon berichtet. Wollte ich auch. Sah es als epische Reise und Möglichkeit mich weiter zu entwickeln, was mir sehr wichtig war um endlich Unsicherheit und Schüchternheit abzulegen. Auch da ich in meinem Freundeskreis oft belächelt und nicht ernst genommen wurde mit meiner Art und der Unsicherheit nicht als vollwertiges Mitglied anerkannt zu werden. Man kann sagen ich hatte einen gewissen Ruf nicht "überlebensfähig" zu sein. Und es wurde gewettet wie lange ich in NZ überleben würde, jedenfalls von einer Person, und ich nahm die Herausforderung entschlossen an.


    Der erste Monat war unglaublich, ich hatte das Gefühl so viel zu erleben und im 3. Monat wurde ich Mitarbeiter in einem Hostel namens "The Villa".
    Zuerst hatte ich Schwierigkeiten mich einzufinden, ich hatte die neue Situation falsch bis nicht eingeschätzt und sagte quasi eine Woche nicht ein Wort vor lauter Schüchternheit. Mein Glück war, das die Leute die in diesem Hostel arbeiteten die tollsten Menschen waren, die man sich nur vorstellen konnte. Es dauerte ca. einen Monat bis ich ein paar tolle Erinnerung mit einigen der Kollegen teilte.
    (Kurze Erklärung zu den Umständen: Wir lebten, schliefen, aßen in diesem Hostel in dieser kleinen Stadt am Meer. Wir bekamen Unterkunft und Essen für 3 Stunden Arbeit am Tag. Wwoofer, wie man uns nannte, blieben zwischen 2 Wochen und 2 Monaten für gewöhnlich)
    Das Hostel war in dieser Zeit unsere komplette Welt und alles war klar. Die Aufgaben bei der Arbeit, wer wann Essen machte für die ganze Gruppe, was man Abends machte, was für Aktivitäten man machte, alles wurde quasi zusammen gemacht oder in kleinen Gruppen, aber trotzdem stand uns jederzeit alles frei zu tun oder zu lassen. Die Verhältnisse und Beziehungen zwischen allen wurden immer klarer, die Erlebnisse immer grandioser und es entstanden legendäre Geschichten. Einmal spielte ich ein Spiel mit 3 schwulen Wwoofern ohne es zu wissen. Unser Staubsauger mit dem Gesicht drauf bekam eine eigene Facebook-Seite von mir geleitet, welche nun 236 Likes hat. Ich sprang mit zwei anderen an Sylvester um 12 Uhr vor hunderten Leuten ins Meer, welche uns danach bejubelten und wir tanzten durch die Nacht. Wir tanzten auf den Tischen im Hostel und an einem Tag trempte ich quer durchs Land und am nächsten Tag wieder zurück, nur um meinen Lieblings-DJ live zu sehen. Kurzum, ich hatte die Zeit meines Lebens.


    Als ich nach zwei Wochen ging hatte ich einige neue Freunde gemacht. Richtige Freunde, wir trafen uns alle noch einmal in einer anderen Stadt und einzeln an verschiedenen Orten später noch, aber nach 1-2 Monaten war mein hoch wieder vergangen und ich fing an Heimweh zu bekommen. Zuhause, würde sich womöglich einiges geändert haben, aber vor allem hatte ich mich geändert dachte ich. Ich war selbstständiger, mutiger, offener, kommunikativer und allgemein lebendiger. Und es war tatsächlich so das ich beim Wiedertreffen mit meinen Freunden eine super breite Brust hatte, natürlich hatten sie auch Respekt davor wie ich sein würde, ob ich mich verändert hatte. Das schaffte wieder etwas Distanz, welche jedoch gut tat, denn ich hatte andere Ziele.



    Ich wollte im ca. 270km entfernten Göttingen so richtig durchstarten und ins Leben einsteigen, all meine Freunde waren nach der Schule in Bremerhaven geblieben, die meisten lebten noch Zuhause. Ich wollte ausbrechen, raus in die Welt, Dinge entdecken und erleben.


    Zwischen Heimkehr und Studium hatte ich dann durch verrückte Gegebenheiten dieses Mädchen über die Dating-App Tinder kennengelernt und es war reine Magie. Es entwickelte sich zu einer Beziehung die eher einer wilden Romanze ähnelte. Sie kam aus komplett anderen Umständen und wohnte in Oldenburg. Jemand der das Leben in vollen Zügen lebt, tough ist und doch zart. Eine die im Klassenraum immer hinten Sitz, draußen jeden Tag mit ihren Freunden rumhängt, vieles ausprobierte und eine große Leidenschaft für die Fotographie hatte, mit der sie mich auch ein wenig ansteckte. Sie wäre am besten mit der Hauptdarstellerin aus dem Film "Factory Girl" zu beschreiben gewesen, welchen ich auch durch sie kennengelernt habe.
    Die Beziehung war intensiv und aufregend, jedoch nicht sehr tiefgründig. Ich fuhr jedes Wochenende zu ihr, weil ich ein wenig Angst hatte ihr meine Freunde und meine "Welt", wenn denn so etwas überhaupt existierte, vorzustellen. Ich tauchte quasi immer mehr in ihre Welt ein. Wenn sie mir ihre Freunde vorstellte wurde ich jedoch zunehmend nervös. Ich kam aus ganz anderen Verhältnissen und war sehr eingeschüchtert von all den Geschichten, die sie erzählten.
    Eines Tages nach einem Abend an dem ich es irgendwie geschafft hatte mich mit ihren 2 Besten (männlichen) Freunden zu verstehen, passierte es. Sie öffnete sich mir und erzählte über ihre Vergangenheit und Probleme die damit einhergingen. Die Chance für mich diese Beziehung auf die nächste Ebene zu bringen. Doch ich realisierte nichts. Mir war nicht bewusst, dass dies ein entscheidender Moment sein würde. Ich blieb weitestgehend still, hörte zwar zu, doch blieb distanziert. Meine Chance mich ihr zu öffnen war damit vertan und es wäre mir auch nicht möglich gewesen, ich war zu verschlossen dafür, zu viel Angst vor Verurteilung, Verlust, Veränderung, Verschlechterung. Den Rest kann man sich fast denken. Sie machte Schluss, weil sie keine Verbindung zu mir aufbauen konnte. Auch noch gerade 2 Tage bevor wir einen Roadtrip durch Europa machen wollten. Ich war am Boden zerstört und verstand die Welt nicht mehr. Und das war der Moment ab dem alles bergab ging.



    Physik war von Kind an meine Leidenschaft neben der Musik. Nicht etwa das Rechnen und das Technische. Die Träume wuchsen aus Filmen und Büchern wie "Mars Mission", "A.I. Künstliche Intelligenz"(Filme), "Spektrum" und "Unsere 6-Dimensionale Welt"(Bücher), aber auch vielen langen Nächten unter dem Sternenhimmel. Also studierte ich Physik, ich wollte groß werden. Irgendwie..


    Ich hatte den Mathe LK in der Schule und war darin auch einer der besseren gewesen, auch wenn es lange her war. Es sollte irgendwie hinhauen. Alles würde sich finden, Wege finden, durch positives Denken und Spaß würden sich Dinge schon ergeben mit denen man nicht rechnen könne.
    Ich wusste, dass Physik kein Spaziergang wäre. Doch ich habe wirklich nicht mit diesen Ausmaßen gerechnet.


    Zu Anfang lief noch alles gut im Mathe Vorkurs. Die erste Woche an der Uni war ähnlich magisch wie die Zeit mit "ihr". Zu dem Zeitpunkt war ich noch mit ihr zusammen, was eindeutig auch Einfluss auf die Zeit in Göttingen hatte. Wir waren sofort wie beste Freunde und feierten viel zusammen, es war wirklich irre und fast zu schön um war zu sein. Es war der perfekte Neustart in ein neues Leben, den ich mir insgeheim immer gewünscht hatte. Wären da nicht die Mathe-Aufgaben. Sie hatten es in sich, und ich schien etwas den anderen hinterher zu sein. Wir machten uns meistens eher über die Sachen lustig und beschwerten uns über sie, als sie realistisch zu betrachten. Naja jedenfalls hatte mein Selbstbewusstsein ziemlich unter der Einsicht zu leiden, dass doch nicht alles so einfach und locker und von selbst ging. Meine Lockerheit, die mich so lebenslustig gemacht hatte, war bedroht. Hinzu kam, dass meine Freundin mit mir Schluss machte. Erst erschüttert, doch dann quasi trotzig, gab ich innerlich ihr die Schuld und machte mich über die ganze Beziehung als romantische Träumerei lustig, was mich wieder stark machte für eine Weile.


    Ich suchte Ersatz in einer Kommilitonin, mit der ich dann zusammenkam. Sie war ein wenig unsicher, aber auch offen für neues. Es machte eine Weile Spaß, doch ich wusste schnell, dass ich einen Fehler gemacht hatte. Nebenbei verlor ich großenteils Kontakt zu meinen Vorkurs-Freunden, welche größtenteils Mathemaik studierten. Und ich hatte einen eher ablehnenden Einstieg mit den Physikern. Vieles störte mich, aber ich fühlte mich gezwungen neue Freunde zu machen und tat eines der Dinge, die Ich am meisten bereue. Ich verstellte mich komplett, um irgendwie in irgendwelche Lerngruppen reinzurutschen. Unsere Anfangslerngruppe hatte sich schnell aufgelöst und ich bekam immer mehr Probleme mit den Physik Aufgaben Zetteln. Wollte sie jedoch unbedingt trotzdem schaffen, was den größten Teil meiner Freizeit und Motivation auffraß. Ich machte dann Schluss mit meiner Kommilitonen und nach einem ehrlichen Gespräch gingen wir im guten auseinander.


    Die Wochen bestanden nur noch aus Physik-Aufgaben und Praktikums-Protokollen. Versuche sich anzufreunden endeten großenteils in Peinlichkeiten oder hielten nicht lange. Ich fühlte wie ich mich veränderte. Ich vermied gewisse Situation vor denen ich Angst hatte, stotterte in der Übungsgruppe und lachte nervös in Gesprächen. Über Weihnachten war erstmals wieder ein Tiefpunkt erreicht. Der Gedanke, dass alles was zunächst vielversprechend aussah nun verloren ginge, wie mögliche Freundschaften, die Jahre hätten halten können und tolle Erinnerungen hervorgebracht hätten, alles weg. Nur Leere in Aussicht. Sorge vor anstehenden Klausuren. Fehlende Strukturen das Studium zu managen machten es zur Qual zu lernen und sich vorzubereiten auf Klausuren. Von 3 Klausuren bestand ich eine im 2. Anlauf mit 4,0.
    Über Weihnachten war ich Zuhause, doch hatte keine Pläne, mein Kopf war leer und verwirrt. Ich habe diese 2 Wochen so in Erinnerung, dass ich jeden Tag gegen 15 Uhr aufstehe, mich im Wohnzimmer aufs Sofa lege und den Rest des Tages Candy Crush spiele während die anderen neben mir fernsehen. Es war eine Farce. Ich bekam schlimme Gedanken, doch versuchte mich zusammenzureißen. Begann mit Fitness Training Zuhause in Göttingen und lief jeden zweiten Tag. Ich kam von 25 Liegestützen auf 100 am Stück innerhalb von 2 Monaten. Danach hörte ich aus irgendeinem Grund damit auf. Die vorlesungsfreie Zeit war ein einziges alleine Zuhause sitzen und sich zum Lernen drängen. Meistens wenig erfolgreich, und ich baute einen gewissen Selbsthass mit der Zeit auf.


    Die Klausurergebnisse schlugen mich immer weiter nieder bis ich schließlich verheult meinen Vater anrief und ihm meine Situation schilderte, soweit es in diesem Zustand der Verzweiflung möglich war. Er sagte ich solle mir keinen Druck machen, erzählte wie es bei ihm früher so war. Nannte mir noch ein paar Alternativen für mich und sagte ich solle ihn bald wieder anrufen, wie es mir ginge. Dieser Schritt des anrufen, hatte mich ein paar Monate Überwindung gekostet und meine Welt war komplett im wanken. Existenzielle Fragen schossen mir immer wieder durch den Kopf. Die neuen Alternativen waren sich an anderen Uni's über andere Studiengänge zu informieren und reinzuschnuppern, wurde dann jedoch unterbrochen von dem Entschluss sich doch noch einmal zusammenzureißen fürs Studium. Und es funktionierte! Ich hielt meine Volle Konzentration auf das Wesentliche. Machte Fortschritte in der BigBand in der ich spielte. Dinge liefen einigermaßen gut. Ich hatte das Gefühl ich wäre langsam drin und würde sogar aufholen. Doch dieses Gefühl hielt keine 2 Wochen. Alles wieder beim alten. Ich war aus meiner alten "Dreck-WG" nun endlich umgezogen in eine WG mit jemanden den ich schon aus der Schule kannte und es sah ganz gut aus zunächst. Doch es machte keinen Unterschied. Physik wurde immer frustrierender, das fanden auch meine Kommilitonen. Elektrostatik war die reinste Hölle der Langeweile mit einem verwirrenden Prof. Unser (SEHR eigener) Matheprof hielt es für richtig den Stoff des kommenden Semesters noch in das momentane zu drücken und so ging ein Thema eine Woche aka 6 Zeitstunden. Und obwohl es irgendwie interessant schien, wenn auch extrem tiefgreifend, war es einfach inhuman.


    Nach einer frustrierenden Mathe-Vorlesung setzte ich mich an einen Rechner im Rechnerraum und tippte einfach mal "Musikproduktion" in die Leiste ein. Der Link zu einer Hochschule poppte auf und ich klickte drauf. Das war der Moment in dem meine komplette Gedanken Welt ein neues Ziel gefunden hatte, welches allerdings von vorneherein zum Scheitern verurteilt war.


    In meinem Kopf war vom einen auf den anderen Moment das Physik Studium komplett verschwunden und es baute sich eine neue Zukunft in der Musikwelt vor meinen Augen auf. Wieso war ich da nicht schon früher drauf gekommen? Ich quäle mich durch ein Studium, anstatt das zu machen was mir Spaß macht und mir leicht fällt und was auch viele von meinen Schulkollegen gedacht hatten, das ich studieren würde. Nachdem ich den Heimweg mit einem Affentempo gefahren hatte (Fahrrad). Und einen Freudentanz unter der Dusche hinlegte, machte ich mich direkt ans Werk und begann mit der Vorbereitung, voller Euphorie, Eifer und dem Willen nun alles richtig zu machen.
    Ca. 2 Monate und ich hatte alles vorbereitet. Einen halbwegs professionellen Song für ein Stipendium, 3 kleine Songs für die Bewerbung und alles war eingeübt für den Einstellungstest. Doch mein Selbstbewusstsein war angeschlagen. Als Absicherung hatte ich mich in Bremen für Musik-Physik auf Lehramt beworben und war durch die Musik Aufnahmeprüfung durchgefallen. Meine Zweifel stiegen mit der Zeit ob es doch das richtige für mich wäre und viele meiner Aussagen waren wage und undurchdacht. Doch ich versuchte all das zu unterdrücken.


    In der Prüfung schien meine große Unsicherheit dann durch und machte mich sehr nervös. Die Dozenten waren ziemlich kluge Köpfe und durchschauten mich schnell. Ich fühlte mich auf eine Art und Weise ertappt, mit der ich nicht gerechnet hatte. Ich hatte das Gefühl sie kannten mich besser als ich mich selbst. Das war zu viel für mich und ich konnte meine Tränen kaum mehr unterdrücken. Obwohl ich bestanden hatte weinte ich wie ein Schlosshund als ich draußen war, weil ich wusste, dass ich dennoch nicht unter den 20 besten sein würde, und so kam es schließlich dann auch.



    Somit war ich nun völlig am Boden und konnte kaum mehr vernünftig mit meinen Freunden reden. Ich hatte nun langsam alle negativen Gedanken in mich hinein gefressen und suchte innerlich nach Lösungen, Ansätzen, durchforstete das Internet nach Möglichkeiten wieder auf einen grünen Zweig zu kommen, von Entscheidungshilfen, über die Kontrolle der Gedanken, bis zu Depressionsvideos auf Youtube. Irgendwann realisierte ich dann langsam, dass ich mir Sicherheit und Struktur so sehr wünschte wie nichts anderes. Wie es damals in der Villa war. Und ich musste mir eingestehen, dass ich nicht so einfach irgendwo in die Welt gehen konnte. Jedenfalls für's erste, denn Zuhause hatte ich alles was man so zum überleben brauchte. Freunde für Aktivitäten, Eltern die jeden Abend Zuhause wären. Gesellschafft und Sicherheit. Also entschied ich mich letzendlich Zuhause in Bremerhaven einen technisch-naturwissenschafftlichen Studiengang zu studieren, für den ich mich glücklicherweise, auf Nachfrage meiner Mutter, quasi als Plan C, im Juni beworben hatte.


    Und hier bin ich nun. Kurz vor dem Studienbeginn. Eine gewisse Leere ist noch da, der rote Faden fehlt, das Gefühl von Unvollständigkeit und Willkür macht sich breit. Nicht vieles macht wirklich glücklich. Nichts scheint wichtig. Und der Wunsch sich endlich zu öffnen meinem Umfeld gegenüber wird immer größer. Sie selber scheinen Probleme und Unsicherheiten zu haben, doch überspielen dies auf verschiedenste Arten und Weisen, was auch richtig ist. Doch ich möchte nicht mit unterdrückten Ängsten und Unsicherheiten leben sondern diese bewältigen und mit ihnen lernen umzugehen. Doch mir fehlt mittlerweile die Kraft mich wieder aufzuraffen. Es scheint, zumindest in diesem Umfeld ausweglos, jedoch ist es momentan der einzige Weg für mich. Ich fühle mich Zuhause auch ein Stück wie in einer ReHa-Klinik. Ich mache nicht viel, und versuche eigentlich hauptsächlich viel zu entspannen und meine Gedanken zu ordnen. Ich denke oft den halben Tag nur nach. So sollte das Leben eines 21 jährigen, abenteuerlustigen und witzigen Typen mit offenem Verstand einfach nicht sein, denke ich mir immer, doch es ist so. Und ich würde gerne so viele Dinge tun, aber weiß nicht "wie". Und diese Unsicherheit nimmt mir den Mut.


    Danke an jeden, der bis an diese Stelle gelesen hat und mich nun womöglich besser kennt, als meine engsten Freunde und Verwandten. Es heißt, es sei einfacher sich voll und ganz einem wild Fremden öffnen zu können als seinem liebsten Freund. Und ich könnte dem nicht mehr zustimmen, abgesehen davon, dass das hier alles mehr oder weniger anonym ist. Ich weiß dass sobald ein Bekannter das hier ließt, derjenige sofort erkennen würde um wen es sich handelt. In diesem Fall hat das Schicksal es wohl so ergeben und vielleicht siehst du mich nun mit anderen Augen.


    P.S.
    Ich liebe meine Freunde und Familie.

  • Hallo Rick&Morty Fan,


    zuerst einmal ein herzliches Willkommen hier in unser aller Forum.


    Es ist nicht unüblich das ein 21 jähriger den "Spaß" fürs Leben noch nicht gefunden hat.
    Deine Post zeigt eigentlich nur auf, das Du viele Themen, viele Dinge ausprobieren möchtest, so ganz nach dem Thema "Wo und Wie" kann ich meinen Lebensspaß und mein daraus resultierendes Einkommen kombinieren bzw. koordinieren.
    Du wirst feststellen das dies nur bedingt und mit viel persönlichem Einsatz möglich ist.
    Das Leben nach Aussagen, Ansichten, Sichtweisen und einiges mehr nach Kommilitonen, "Freunde" und Bekannte zu richten ist keine leichte Aufgabe und sollte so auch nicht sein.
    Du bist wie jeder Mensch auf dieser Welt einzigartig und deshalb auch in deiner Persönlichkeit, in deiner Ausrichtung kein Ebenbild oder Abzugsbild, kein Doppelgänger von irgend einem anderen Wesen.
    Du und viele anderen Menschen können doch nicht in andere Personen hinein sehen und eventuelle Gedanken lesen und deren Handlungen vorhersagen.
    Deinen Zeilen ist zu entnehmen das Unsicherheit dir den Mut nimmt!!
    Darf ich dir folgende Fragen stellen:
    Zum einen lautet diese: Sie nimmt dir den Mut zu was? --und-- Was verstehst Du unter dem großen Wort "Leben"?
    Denkst Du das Leben beinhaltet eine Art Garantie? --außer-- Das dieses Leben trotz und gerade wegen all den gemachten Erfahrungen vielseitig, interessant und lebenswert sein werden kann?
    Welche Einstellung besitzt Du zum Leben??


    Würde mich über weitere Post freuen.



    Liebe Grüße - Patrick

    Laufe nicht der Vergangenheit nach und verliere dich nicht in der Zukunft. Die Vergangenheit ist nicht mehr. Die Zukunft ist noch nicht gekommen. Das Leben ist hier und jetzt.(Buddha)

  • Hallo Patrick,


    aller herzlichsten Dank, dass du dir für meine Geschichte Zeit genommen hast. Außerdem möchte ich mich entschuldigen, für die Anschuldigungen in dem anderen Post. Es ist leicht jemanden anzuschuldigen, doch man sollte immer sehr vorsichtig damit sein.
    Zu deinen Fragen:
    Mut für was?
    Mut das zu sagen was im Kopf ist und gesagt werden will.
    Mut sich zu öffnen, wenn man es braucht.
    Mut es nicht anderen recht machen zu wollen und auch seinen Prinzipien treu zu bleiben.


    Was verstehst du unter dem Wort "Leben"?
    Das hört sich für mich, nach der Frage vom Sinn des Lebens aus meiner Sicht an. Für mich ist das denke ich etwas zu erschaffen jeglicher Art und ein Teil zu sein. Ich denke nicht, dass es im Leben eine Art Garantie gibt, wie z.B. auf eine glückliche Zukunft. Früher dachte ich es allerdings schon heimlich, doch ich habe in der letzten Zeit realisiert, dass es auch schlecht laufen kann, wenn man nicht aufpasst. Es gab eine Phase in der ich dachte, es könnten seelische Dauerschäden bzw. psychische Krankheiten in mir reifen. Ich hab mir dann allerdings immer wieder eingeredet, dass eine Krise auch immer eine Chance ist, sich weiterzuentwickeln.
    Meine Einstellung zum Leben ist eine offene und positive. Es gibt aber auch einige eher unangenehme Aspekte im Leben, vor denen ich noch Angst habe, doch ich versuche gerade diese Ängste zu bekämpfen.
    Damit ist es wohl einfach nachzuvollziehen, dass ich gerne viel Lebensspaß hätte und diesen am besten auch im Beruf, denn ich weiß, das ich nicht die Person sein werde, die sich den ganzen Tag über seinen Job beschwert, weil man schlecht gelaunt ist, von all den schlecht gelaunten Leuten da, sondern dass ich davon erzählen möchte, am besten mit Begeisterung.
    Bei dem Teil deiner Antwort mit "Handlungen vorhersagen", relativ in der Mitte, versteh ich noch nicht ganz worauf du dich da beziehst in meiner Geschichte und was du mir damit sagen möchtest.
    Ich muss übrigens sagen, dass mir das schreiben dieser Geschichte sehr gut getan hat. Danke dass ich das hier machen durfte!


    LG Rick&MortyFan5