Leben? - Wohin führt es mich?

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  • Hallo,


    ich bin durch Zufall auf dieses Forum gestoßen.


    Ich weiß auch nicht, ob es das richtige ist, meine Gedanken und Probleme hier in dieser Form zu kommunizieren. Aber ich glaube, dass es mir gut tun wird, mal ehrlich zu sein und zu sagen was ich denke ...

    Ich versuche mal den Inhalt sinnvoll zu gliedern, um Euch den Einstieg so leicht und verständlich wie möglich zu machen.


    Zu meiner Person

    Zu mir, ich bin Mitte 20 und in einem unbefristeten Arbeitsverhältnis als Informatiker tätig. Meine Arbeit macht mir viel Spaß und ich komme sehr gut mit meinen Chefs und Kollegen aus. Auch privat habe ich einen gestanden und zuverlässigen Freundeskreis. Außerdem bin ich glücklich mit meiner Frau verheiratet, Kinder gibt es derzeit (leider?) nicht.


    Meine Vorgeschichte

    Ich war schon immer eine Person die aus der Reihe getanzt hat. In der Grundschule bin ich durch aggressives und uneinsichtiges Verhalten aufgefallen. Das hat sich dann bis zur 10. Klasse am Gymnasium so durchgezogen. In der 11. Klasse habe ich dann einfach das Gymnasium verlassen und mich selbstständig gemacht. Das alles hat auch sehr gut funktioniert. Von 2015 - 2017 habe ich dann meine Ausbildung als Fachinformatiker für Anwendungsentwicklung gemacht und erfolgreich abgeschlossen. Seitdem arbeite ich als Arbeitnehmer.


    Jetzt kommen wir zu dem sehr unangenehmen Teil meines Lebensweges ... Mit 17 Jahren habe ich angefangen Straftaten zu begehen. Ich war lange Zeit Mitglied einer rockerähnlichen Gruppierung und habe Straftaten von illegalem Waffenbesitz über Diebstahl bis hin zum Raub schon alles mitgemacht. Um eines klar vorweg zu sagen, ich bin nicht stolz auf diese Zeit und meine Taten!

    Ich saß eine zweijährige Jugendstrafe im geschlossenen Vollzug ab und vor kurzem nochmals eine 7-monatige Haftstrafe im offenen Vollzug. Es steht jetzt noch eine Haftstrafe von 2 Jahren im offenen Vollzug bevor, die ich bald antreten muss/werde.

    Die Straftaten habe ich alles bis vor ca. 3 Jahren begangen. Es ist jetzt im Prinzip der lange Rattenschwanz der sich nachzieht. Ist für mich auch vollkommen ok und ich habe diese Strafe(n) ja auch verdient. Zum Glück kann ich meine Arbeitsstelle für meine letzte Haftstrafe ohne Probleme behalten und ganz normal weiter nachgehen.

    Meine Frau hat mich in jeder dieser schweren Zeiten unterstützt und ich bin Ihr für alles sehr sehr dankbar. Ich weiß, dass definitiv keine Selbstverständlichkeit ist und für Sie noch eine viel schlimmere Zeit sein muss.


    Ich denke, dass wir aber die nächsten zwei Jahre auch noch überstehen.


    Ein wichtiger Punkt für mich ist, dass ich mich endlich von dieser ganzen Sch**** losgesagt habe und es seit 3 Jahren ohne weitere Zwischenfälle funktioniert hat. Ich sehe hier auch keine Probleme für meine Zukunft. Es gab zwar auch viele Rückschläge, aber ich denke, dass ich es so gut es geht gemeistert habe. (Auch durch die Geduld meiner Frau)


    Ich habe kein Alkohol- oder Drogenproblem. Ich konsumiere zwar gerne mal ab und zu einen Joint, aber das hält sich in Grenzen. (Meistens so 1-2x im Jahr). Alkohol trinke ich nur auf besonderen Anlässen oder mal ein Feierabendbierchen.


    Das Verhältnis zu meiner Familie war bis vor 3 Jahren sehr schwierig und angespannt. Es hat sich aber sehr gebessert und für alle Parteien zufriedenstellend geändert, so meine Rückmeldungen.


    Meine Gedanken

    Auch wenn ich weiß, dass ich vieles in meinem Leben erreicht habe und viele Probleme gemeistert habe, fehlt mir manchmal einfach die Motivation für vieles in meinem Leben. In meinem Job bin ich eigentlich ein sog. "Ausnahme-Talent" dennoch kann ich mich für wenig derzeit begeistern. An manchen Tagen ist es wie verflogen aber 80% der Zeit gebe ich nur 40-50% meiner Leistung. (Mein Chef oder Kollegen fällt das gar nicht auf)

    Ich selber weiß aber, dass es in anderen Bereichen in meinem Leben genauso ist. Mir fehlt oft die Motivation für Kleinigkeiten und andere wichtige Dinge.


    Die Müdigkeit ist bei mir ebenfalls ein sehr großes Problem. Ich kann soviel schlafen wie es geht, aber ich bin immer dauernd müde und dahergehend auch lustlos. Es gibt auch selten Situationen wo ich schnell auch mal gereizt bin. Aber ich signalisiere das dann auch so, dass ich dadurch keine Probleme entstehen lasse.


    Ich frage mich manchmal trotzdem wie das alles werden soll? - Wie sieht die Zukunft aus und was will ich überhaupt erreichen?

    Dieses Gefühl, was ich dabei habe ist für mich teilweise kaum zu ertragen.


    Ich hoffe, dass ich es verständlich mit allen nötigen Informationen darlegen konnte. Abgesehen davon hoffe ich, dass ich auch in die richtige Kategorie gepostet habe.


    Ich habe versucht, so wenig persönliche Indikatoren zu geben, da es nicht so schnell möglich sein soll, Rückschlüsse auf meine Person führen zu können.

  • Hallo Lenox,


    Vorab gesagt, ich hab das Gleiche.

    ....mein Lebensweg unterscheidet sich etwas von deinem.

    Aber auch ich hatte ein bewegtes Leben, auch ich gelte als Talent in meinem Job.


    Aber auch ich arbeite 80% mit 40% Leistung. - fällt auch niemandem auf.

    Auch mir fehlt oft Motivation für alles mögliche. Auch ich bin oft müde und könnte ewig schlafen.

    Auch ich stelle mir oft die Frage, was ich in Zukunft wohl erreichen möchte.


    Ich mache mir da schon lange Gedanken darüber. - Vielleicht ist das das Anfangsstadium einer Depression??

    oder Burnout?? - Vielleicht sollte ich mich eher aufraffen und mein Leben wieder geniesen.

    Ich habe angefangen darauf zu achten, in welchen Situationen es mir gut geht.

    In welchen Situationen habe ich nicht dieses Gefühl?


    Seit einigen Tagen bin ich frisch verliebt. Das hilft sehr. Allerdings ist das eine problematische Liebe.

    (Wenn ich soweit bin, werde ich dazu ein Thema eröffnen.)


    Kurzum ich kann Dir nicht sagen, was nicht stimmt. Aber ich wüsste es auch gerne.

    Vielleicht achtest Du auch mal darauf, wann diese "Müdigkeit" nicht da ist.


    Gruss

  • Hallo McSam,


    vielen Dank für Deinen Beitrag.


    Deine Situation ähnelt ja definitiv meiner.


    Über Depressionen habe ich auch schon nachgedacht, bin mir aber unschlüssig. Ich war auch eine Zeit lang bei meinem Psychotherapeuten, hat mir geholfen, aber er hat derartiges bei mir nicht diagnostiziert. Ich muss aber auch gestehen, dass ich aus einem anderen Grund da war.


    In den letzten Jahren habe ich vermehrt auch schon darauf geachtet. Es gibt da in meinen Augen auch kein Muster. Was ich gemerkt habe, wenn ich etwas tue worauf ich keine Lust habe, aber den für mich sog. "Toten-Punkt" überwunden habe, dann geht alles super.


    Also ich für meinen Teil genieße das Leben wirklich in vollen Zügen. Man weiß ja auch nie, wie lange noch alles so geht.


    Ich glaube, dass die Liebe zu einer Person doch helfen kann. Und wie wir alle eigentlich ja wissen, ist die Liebe niemals unkompliziert.


    Grüße

  • Hallo,


    also für mich liest sich dein Post relativ interessant. Die Tatsache, dass du Informatiker bist, jung dazu, ein hohes Talent besitzt einen einwandfreien Text zu schreiben und zu dem einen höheren Bildungsabschluss besitzt als viele andere Menschen, lässt mich durchaus das Ausnahmetalent in dir bestätigen. Das ist immer schwer, weil man ja nur einen Text besitzt auf dem man seine Annahme stützen kann. Dann sehe ich noch, dass du aber sehr sehr traditionelle Wege gehst. Ich kennen keinen Menschen persönlich, der in der angespannten Zeit schon mit 20 Jahren heiratet. Ebenso verläuft dein Lebensweg im Job meines Erachtens sehr linear und bodenständig.


    Da ist es für mich ein logischer Schluss, dass du an Hand deines Ausnahmetalentes eine Herausforderung suchst. Ist vielleicht das der Grund warum du es interessant fandest deine überschüssige Energie in die Kriminalität zu stecken? Ich vermute schon, denn das Problem was du beschreibst ist für mich völlig klar. Du schöpfst dein Potential nicht aus und machst Dinge, die andere von dir erwarten, aber hinter denen du nicht stehst, weil sie dich nicht fordern. Sinnbildlich bist du meines Erachtens der 10-Jährige in der Krabbelgruppe. Weiterhin vermute ich, dass du auch noch ein Problem mit Autoritäten besitzt. Das kann ich durchaus nachvollziehen, da du offenbar oft in der Situation sein könntest deinem Vorgesetzten überlegen zu sein.


    Nun, was kann man da machen? Ich an deiner Stelle würde dir anraten deine Jugend zu nutzen. Du bist nicht gemacht dafür, dass du dein Potential unter einem Herren vergeudest. Meiner Meinung nach könnte es etwas bringen, wenn du dazu tendierst mit deinen Fähigkeiten eine Selbstständigkeit anzustreben. Das ändert viel, denn dadurch bist du selbst der Richtwert und die Messlatte für deine Arbeit und erhältst einen ganz anderen Blickwinkel auf dein Leben. Du machst es dann nämlich für dich, nicht irgendeinem vorgesetzten Strulli, bei dem es egal ist ob du deine Arbeit gut, schlecht oder mittelmäßig machst, weil dein Lohn der Gleiche bleibt! Dann bist du nämlich quasi das Limit und du kannst gleich dabei noch etwas erfüllen nachdem dein Geist wohl förmlich schreit, nämlich Selbstverwirklichung. Es klingt plump, aber Geld ist ein Universaltauschmittel und das brauchst du für deine Träume! Ich würde dir anraten, dass du dir einmal überlegst was du auf dem Gebiet der Informatik tun könntest, um damit Geld zu verdienen. Ich traue dir sehr genau zu was du machen musst, der Punkt ist wohl eher das ein Anfang her muss.

  • Hallo Derran ,


    vielen Dank für Deinen innovativen Beitrag.


    Dein Beitrag trifft es für mich eigentlich sehr auf den Punkt. Das was Du geschrieben hast, beschreibt es sehr sehr gut.


    Vor allem was die berufliche Situation angeht hast Du mehr als nur recht. Ich hatte sowieso die Planung mich in den kommenden Jahren komplett selbstständig zu machen. Das Tätigkeitsfeld habe ich bereits für mich gefunden und mir fehlt aktuell nur noch der "Startschuss".


    Aber aufgrund meiner Haft, macht es für mich erst Sinn, wenn ich diese letzte Hürde gemeistert habe. Dann werde ich die Selbstständigkeit in Angriff nehmen.


    Mit Autoritätspersonen habe ich wirklich immer Probleme gehabt. Auch das ich des öfteren meinen Vorgesetzten fachlich überlegen bin ist wahr. Für mich ist es da auch eigentlich immer sehr schwer mich dahingehend zurückzuhalten. Ich vertrete aber meinen Standpunkt immer schön sachlich und kompetent.


    VG

  • Guten Morgen,


    ich dachte, dass ich mich mal zurückmelde!


    Vor ca. zwei Wochen habe ich jetzt meine Haftstrafe angetreten und kann nun auch wieder ganz normal arbeiten. Ich habe mich in den letzen Wochen viel mit meinem "Problem" auseinander gesetzt und ich konnte für mich einige Dinge klären, die meine berufliche Zukunft betreffen.

  • Guten Tag,


    ich wollte nochmal mein aktuelles Befinden mitteilen.


    Ich habe ja im Januar meine zweijährige Haftstrafe im Offenen Vollzug angetreten. Es hat alles zu meiner Zufriedenheit geklappt, schnelle Verlegung in die zuständige Anstalt, erhalt meiner Arbeitsstelle. Seit dieser Woche gehe ich auch ganz normal als sog. Freigänger draußen meiner Arbeit nach.


    Derzeit schleicht sich aber wieder das Gefühl ein das es zur Zeit alles endlos und nicht stimmig ist. Das Gefühl kann man gar nicht beschreiben.

    Ich habe das Thema mit den Depressionen mal aufgegriffen und einige "Selbsttests" im Internet ausprobiert und immer das Ergebnis erhalten, dass ich an mittleren bis schweren Depressionen erkrankt sein könnte. Mir ist bewusst, dass diese Test keine Diagnose darstellen.


    Ich bin mir aber jetzt auch gar nicht sicher, wie ich damit umgehen soll ...