Ich fühle mich so einsam - das kenne ich so gar nicht! Warum?

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  • Hallo liebes Forum!


    Ich habe mich neu hier angemeldet, weil mir momentan einfach die Decke auf den Kopf fällt und ich mich deshalb endlich mal mit anderen austauschen möchte. Soviel vorweg: Ja, ich habe psychische Probleme, weshalb ich auch in ambulanter Behandlung bin und weiß, dass ich auch sonst "mein Päckchen zu tragen habe", aber die letzten Wochen setzt mir eine Tatsache immens zu, von der ich nicht gedacht hätte, das sie mich treffen könnte: ICH FÜHLE MICH SO UNENDLICH EINSAM!

    Ich weiß zwar auch woran das liegt: Corona. Mein kompletter Alltag wurde von jetzt auf gleich umgekrempelt und ist nun schon seit einem Jahr so nicht mehr vorhanden. Da ich Studentin bin, war ich tagsüber immer unterwegs, Uni natürlich (fällt flach, seit einem Jahr nur Online-Veranstaltungen), danach Fitnessstudio (jetzt zu), zwischendurch gern mal nen Kaffee IN einem Lokal getrunken und dabei gelernt (ebenfalls jetzt zu) und war so immer in Bewegung. Jetzt sitze ich, wie viele junge Leute in meinem Alter, notgedrungen zu Hause permanent fest und langweile mich. Das ist aber nicht das Hauptproblem: Ich war seit meiner Pubertät eher immer die Einzelgängerin. Notorischer Single, keine wirklich engen Freunde, eher nur Bekannte, generell wenig Kontakte. Zudem bin ich im Herbst 2019 in eine neue Stadt gezogen, in der ich mich zwar super wohl fühle, aber demnach auch keinen kannte. Das alles machte mir aber nichts aus, ich hatte ja meinen Alltag - der jetzt weg ist ...


    Hinzu kommt, dass ich aktuell noch eine Sportverletzung habe (hab's mit dem Joggen übertrieben ...) und deshalb nicht mal mehr meinem Hobby, dem Laufen, nachgehen kann: Ergo fällt damit noch ein Stück morgendlicher Routine weg. Das Problem bei der ganzen Sache ist, das sich durch diese ganzen Umstände das Gefühl der Einsamkeit immer mehr breit macht. Ich weiß, dass sich das jetzt super dramatisch und vielleicht auch theatralisch anhört, aber ich beschreibe es einfach mal, wie es sich anfühlt: Da ist so eine innere Leere, die regelrecht an mir nagt, die mich manchmal fast auffrisst. So fühlt es sich zumindest an. Dadurch bin ich oft traurig und grübele nur über mein Leben bzw. meine Vergangenheit nach. Was ist alles schief gelaufen? Was habe ich alles falsch gemacht? Warum bin ich so von der Welt abgeschieden? Wieso mag mich keiner? Würde überhaupt jemand merken, wenn ich nicht mehr da wäre? Diese Gedanken machen mich nur noch verwirrter.


    Gleichzeitig hat sich mein Tagesrhythmus total verändert: Ich war eigentlich immer Frühaufsteherin. Durch das E-Learning und die damit verbundene freie Zeiteinteilung hat sich mein Verhalten völlig verändert. Ich kann nachts nicht mehr schlafen, laufe dann teils zu Höchstformen auf - nicht nur Unikram, die Tage kam mir sogar in den Sinn nach Mitternacht unbedingt Staub wischen zu müssen. Morgens komme ich demnach gar nicht mehr aus dem Bett, stehe erst irgendwann tagsüber auf. Warum auch? Es ist doch eh keiner da, den es stören könnte ... Dieser Tagesablauf nervt mich, ich kann es aber irgendwie nicht ändern und fange dann wieder mit dem Grübeln an. Bis ich dann wieder zu dem Schluss komme, dass ich einfach einen "sozialen Druck" habe, der mich zu einem normalen Rhythmus "zwingt". Eben weil niemand da ist, der Druck machen könnte. Ich bin ja allein ... Der einzige Sozialkontakt, den ich habe, ist meine Mutter, mit der ich täglich telefoniere. Bis Ende letzten Jahres habe ich wenigstens allmorgendlich noch den Hausmeister meines Wohnheims gesehen und da war dann zumindest ein "Guten Morgen" drin, manchmal auch ein kurzes Schwätzchen. Als ich durch meine Verletzung aber dann mehrere Tage gar nicht mehr gehen konnte und nun ja auch das Joggen ausfallen muss, fällt das auch weg, zumal er jetzt sowieso wieder ins Homeoffice geschickt wurde. Das einzige soziale Highlight ist aktuell, wenn der Briefträger, mit dem ich per Du bin, mal wegen einer Postsendung klingelt und ich dann mal face to face mit jemandem reden kann - das passiert aber nicht mal wöchentlich.


    Ich glaube, ich habe jetzt echt viel gejammert ... sorry dafür! Eigentlich wollte ich Euch nur fragen, warum ich jetzt auf einmal diese Einsamkeit so spüre? Ich kam doch sonst auch bestens alleine klar. Wieso passiert mir das - ich hab mich doch immer klar als Einzelgängerin gesehen und sonst auch nicht so ein Bedürfnis nach Kontakten. Ist das einfach ne Stressreaktion? Ist mein Empfinden komisch? Die ganze Situation überfordert mich gerade, eben auch, weil ich nicht weiß, ob, wann und wie ich da was ändern kann. Dieses Gefühl ist aber einfach nur schrecklich! Ich hätte nie gedacht, dass Einsamkeit einen so quälen kann!


    Vielleicht könnt ihr mir ja als Außenstehende irgendwelche Tipps oder auch Erklärungen geben?


    Danke schon mal und liebe Grüße

  • Hi, ich habe in einem Internetforum viele nette Menschen kennengelernt, teilweise haben sie sich bemüht , mir zu helfen, einigen versuche ich zu helfen. Was ich dadurch realisiert habe: viele Menschen - auch ohne große Probleme, Schicksalsschläge, schlimme Krankheiten - haben ihre Sorgen, die man ihnen von außen vielleicht gar nicht ansieht, die sie teilweise nur anonym im Internet preisgeben. Es ist nicht alles so, wie es nach außen aussieht. Ich bin selbst sehr emotional und redselig, und teile mich gerne mit. Im Netz habe ich nur deswegen nach Zuhörern gesucht, weil ich ein eher peinliches Problem hatte (und habe,) ansonsten erzähle ich Freunden und Kollegen relativ viel über meine Gefühle und mein Leben.

    Aber ich habe gestaunt, wie gut es tut, sich auch mit Menschen im Netz auszutauschen.. Du müsstest dir ein Forum suchen, dass gut besucht ist und dich thematisch interessiert. Das schöne ist, dass man nicht so sehr verpflichtet ist, wie gegenüber echten Freunden im realen Leben, eher Kontakte abbrechen kann, wenn es nicht passt, ausreichend Abstand hat und wirklich viele kennen lernt. Auch wenn es um ein konkretes Thema geht, entwickelt sich so ein Kontakt manchmal tatsächlich weiter. Ich bin z.B. jetzt mit einigen Schweizern in Kontakt, dabei war ich nie in der Schweiz, es sind wirklich nette Leute. Manche behaupten, dass es nicht ausreichend ist, wenn man jemanden nur über Textnachrichten kennenlernt, ich würde sagen, dass man schon recht viel erfährt, auch wenn auch im Netz sich manche Leute verstellen, oder versuchen dich zu manipulieren. Aber davor ist man im echten Leben nicht sicher. Du wirst aber nicht bedrängt, niemand klopft an deine Tür.

    Ich bin von Natur vorsichtig und mir ist dieser räumliche Abstand recht. Man hat genug Zeit, um zu entscheiden, ob man jemanden wirklich sehen möchte. Bisher habe ich nur 2 Frauen persönlich kennengelernt, mit denen ich mich im Netz ausgetauscht habe.


    Ausserdem: Bald werden alle geimpft und die schlimme Zeit geht vorbei, noch ein paar Monate müssen wir Geduld haben. Sollte es dir aber ganz schlecht gehen, geh zum Psychologen, viele machen es derzeit. Auch der Hausarzt könnte vielleicht helfen.


    Mein Rhythmus ist jetzt auch total durcheinander, ich schlafe praktisch nur noch, wenn ich vor Müdigkeit umfalle, aber ich nehme es im Moment so hin, es wird nicht für immer so bleiben. Ehe wir uns umsehen, ist die Krise vorbei😉